Ein neuer Standard für die Nachhaltigkeitsprüfung: Lydia Larsen (MorgenGrün) veröffentlicht gemeinsam mit der gif e. V. den Leitfaden zur Prüfung einer CRREM-Analyse
Die Immobilienwirtschaft steht unter enormenm Transformationsdruck. Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen und den »European Green Deal« umzusetzen, ist der Carbon Risk Real Estate Monitor (CRREM) mittlerweile das zentrale Instrument für die Analyse und Bewertung von Übergangsrisiken und die Implementierung von Dekarbonisierungsstrategien geworden. Doch in der Praxis zeigt sich oft ein uneinheitliches Bild: Unterschiedliche Flächenansätze, Intransparenz bei Emissionsfaktoren und methodische Abweichungen machen Ergebnisse schwer vergleichbar.
Warum dieser Leitfaden notwendig war
Ob bei einer ESG Due Diligence, im Asset-Management oder bei der Fondsstrategie – CRREM-Ergebnisse beeinflussen heute massiv Investitionsentscheidungen. Doch kleine Stellschrauben in der Datenaufnahme können das Ergebnis – das sogenannte Misalignment Year (das Jahr, in dem ein Gebäude die Klimaziele verfehlt) – massiv verfälschen. Unser Ziel war es nicht, ein weiteres Anwendungshandbuch zu schreiben, sondern einen objektiven Prüf- und Bewertungsrahmen zu schaffen, mit dem Marktakteure CRREM-Ergebnisbericht kritisch prüfen und die Qualität der zugrunde liegenden Daten sicherstellen können.
Die wichtigsten Fokus-Themen der Veröffentlichung
Zunächst werden im Leitfaden Grundlagen und Ziele erläutert: Das CRREM-Tool wird in den Kontext des Pariser Klimaschutzabkommens sowie des European Green Deals eingeordnet. Darüber hinaus sind grundlegende Erläuterungen wie etwa zum »Misalignment Diagramm« (Wann wird eine Gebäude zum Stranded Asset?) und zum »Energy Reduction Pathway« enthalten. Schließlich beleuchtet der Leitfaden die kritischen Faktoren, die über die Validität einer CRREM-Analyse entscheiden.
Weitere Kerninhalte des Leitfadens im Überblick:
- Flächen als größter Hebel: Warum die Wahl zwischen IPMS 2, DIN 277 oder Mietflächen das Misalignment Year um Jahre verschieben kann.
- Asset-Klassen & Leerstand: Die Zuordnung einer Immobilie zur richtigen Asset-Klasse oder die Berücksichtigung von Leerstand ist entscheidend für den Zielpfad. Besonders bei Mischnutzungen oder Sonderimmobilien ist Fingerspitzengefühl gefragt, da das Nutzungsprofil die Performanz oft stärker beeinflusst als der energetische Standard des Gebäudes selbst.
- Methodik der Emissionsermittlung: Der Leitfaden klärt über die Unterschiede zwischen dem market-based und dem location-based Ansatz auf. Ein besonderer Fokus liegt unter anderem auch auf der Berücksichtigung von F-Gasen sowie auf der korrekten energetischen Bewertung von Fernwärme nach der Carnot-Methode, die sich deutlich von der im GEG geforderten Stromgutschriftmethode unterscheidet.
- Blinde Flecken: Wir adressieren auch die Grenzen der CRREM-Analyse wie das derzeitige Fehlen von Grauer Energie (Bau/Abriss) oder anderen Umweltfaktoren wie Wasser und Abfall.
Ein Werkzeug für die Praxis
Ein Herzstück der Arbeit ist die integrierte Prüfliste. Sie soll Analyst:innen und Investor:innen dabei helfen, die Datenqualität Schritt für Schritt zu verifizieren. Nur wenn wir mit korrekten und transparenten Daten arbeiten, können wir die tatsächlichen transitorischen Klimarisiken unserer Portfolien einschätzen und gezielte Sanierungsmaßnahmen planen.
Mit diesem Leitfaden leisten wir einen Beitrag zu mehr Transparenz in der nachhaltigen Immobilienbewertung. Er bietet Asset-Manager:innen, Investor:innen und Prüfer:innen das nötige Werkzeug, um fundierte Entscheidungen auf dem Weg zur Klimaneutralität zu treffen.
Es war eine intensive Arbeit in der Projektgruppe – oft bis in die späten Abendstunden –, aber das Ergebnis ist ein wichtiger Baustein für mehr Qualität und Standardisierung in unserer Branche.