Skip to main content

Share post

Warum die Gebäudetechnik für die Ökobilanz von Gebäuden immer wichtiger wird

Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) hat einen erheblichen Einfluss auf die Umwelteinwirkungen über den Lebenszyklus. Damit wird auch die Ökobilanz der TGA selbst zu einem wichtigen Faktor nachhaltiger Gebäudeplanung. 

Beim Innovationsgruppentreffen der Aachen Building Experts (ABE) zeigte MorgenGrün in einem Impuls und Workshop, warum die Lebenszyklusanalyse der TGA künftig stärker in den Fokus nachhaltiger Gebäudeplanung rücken muss. Eine differenzierte Betrachtung der TGA-Ökobilanz hilft dabei, ökologische Auswirkungen technischer Anlagen über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg sichtbar zu machen.

 

Was bedeutet Lebenszyklusanalyse der TGA?

Bei der Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA) werden die ökologischen Auswirkungen eines Gebäudes über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg betrachtet. Dazu zählen neben den Umwelteinwirkungen, die beim Gebäudebetrieb entstehen, insbsondere auch die Umwelteinwirkungen, die bei der Herstellung, beim Ersatz durch Instandhaltung, beim Abriss und bei der Entsorgung durch die Materialien entstehen. Neeben den Baukonstruktionen sind hier auch die Komponenten der Technischen Gebäudeausrüstung zu bilanzieren, die ebenfalls einen relevanten Anteil an der gesamten Gebäudeökobilanz ausmachen können.


Die TGA ist der »Hidden Giant« der Ökobilanzierung – und verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit in der nachhaltigen Gebäudeplanung.

Das Treffen der Innovationsgruppe stand unter dem Thema CO₂-reduzierte und -reduzierende Materialien und Baustoffe und brachte Expert:innen aus Planung, Industrie und Forschung zusammen. Für MorgenGrün gestaltete Senior Consultant Lydia Larsen einen Impuls mit anschließendem Workshop zum Thema »LCA der TGA: Status Quo und Potenziale von Re-Use«. 

 

Welche Rolle spielt die TGA in der Gebäudeökobilanz?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des Impulses von MorgenGrün beim Treffen der Aachen Building Experts. Es wurde deutlich, dass die Technische Gebäudeausrüstung einen größeren Einfluss auf die ökologische Gesamtbilanz von Gebäuden hat, als in der Planung häufig angenommen wird. 

Dies liegt unter anderem daran, dass Komponenten der TGA vergleichsweise kurze Nutzungsdauern haben und daher im Laufe eines Gebäudelebenszyklusses mehrfach ersetzt werden müssen. Die damit verbundenen Material- und Herstellungsaufwände summieren sich über die Jahre und können einen relevanten Beitrag zu den gesamten CO₂-Emissionen eines Gebäudes leisten. Eine differenzierte Betrachtung der Gebäudetechnik wird daher zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil nachhaltiger Gebäudeplanung.

 

Drei zentrale Erkenntnisse aus dem Impuls bei den Aachen Building Experts

  1. Präzision statt Pauschalen
    Während die Kostengruppe 300 häufig im Fokus der Ökobilanzierung steht, wird die TGA bislang in den aktuellen Bilanzierungsregeln überwiegend über pauschale Zuschläge oder Pauschalannahmen abgebildet. Um reale Einsparpotenziale sichtbar und planbar zu machen, braucht es eine differenzierte und datenbasierte Betrachtung der TGA-Komponenten.
  2. Kurze Lebenszyklen, großer Impact
    Viele TGA-Komponenten haben deutlich kürzere Nutzungsdauern als die Primärkonstruktion eines Gebäudes. Über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg entsteht dadurch ein erheblicher ökologischer Einfluss, der in der strategischen Planung stärker berücksichtigt werden muss.
  3. Zirkularität als Lösungsansatz
    Anhand eines Praxisbeispiels aus Köln wurde deutlich: Die Wiederverwendung von TGA-Komponenten – von Kältemaschinen und Aufzügen über Leuchten bis hin zu Brandmeldern – ist technisch machbar und ökologisch sinnvoll. Re-Use kann damit zu einem entscheidenden Hebel für die CO₂-Reduktion im Gebäudebestand werden.

Re-Use von TGA-Komponenten als Treiber für CO₂-Reduktion

Im anschließenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden zentrale Erfolgsfaktoren für eine stärkere Kreislaufführung technischer Komponenten:

  • Digitalisierung: Einsatz von BIM und Materialpässen, die eine transparente Dokumentation von Komponenten inklusive lückenloser Wartungshistorie ermöglichen
  • Produktdaten: wachsende Verfügbarkeit belastbarer Ökobilanzdaten für TGA-Komponenten durch herstellerspezifische Umweltproduktdeklarationen (EPD)
  • Verantwortung: Rücknahmeverpflichtungen und neue Geschäftsmodelle auf Herstellerseite
  • Design: hohe Produktqualität, Modularität und Reparierbarkeit zur Verlängerung der Nutzungsdauer

Auch regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine zunehmende Rolle. CO₂-Reduktionsziele, Lieferkettenprobleme und Materialknappheit können zu wichtigen Treibern der Transformation werden. Gleichzeitig braucht es Anpassungen bei Normen und Gewährleistungsregelungen, um die Wiederverwendung von Bauteilen rechtssicher zu ermöglichen.

Image
ABE-Workshop-Illustration von Morgengrün zur Lebenszyklusanalyse der TGA

Die TGA als strategischer Hebel für nachhaltige Gebäudeplanung

Lange standen Energieeffizienz und die Dekarbonisierung des Gebäudebetriebs im Mittelpunkt nachhaltiger Planung. Zukünftig rücken jedoch die CO₂-Emissionen im Lebenszyklus der Technischen Gebäudeausrüstung immer stärker in den Fokus.

Die Lebenszyklusbetrachtung der TGA wird damit zu einem strategischen Instrument, um die Klimabilanz von Gebäuden ganzheitlich zu verbessern. MorgenGrün setzt sich dafür ein, diese Perspektive stärker in Planung und Baupraxis zu verankern. 

Ein herzlicher Dank gilt den Aachen Building Experts für die gelungene Organisation und den inspirierenden fachlichen Austausch.

 

Möchten Sie mehr über Strategien zur Reduktion von CO₂-Emissionen im Gebäudebestand oder über Lebenszyklusanalysen in der Planung erfahren?

Das Team von MorgenGrün unterstützt Sie gerne bei der Entwicklung nachhaltiger Gebäudekonzepte.