Dreiland-Klinikum Lörrach
Fast ohne Gas: Baden-württembergische Klinik setzt auf Wasser-Wärmepumpen
Fast ohne Gas: Das neue Dreiland-Klinikum Lörrach heizt und kühlt mithilfe von Grundwasser-Wärmepumpen. So entsteht ein zukunftsfähiger Gesundheitscampus, der Ressourcen schont und CO2-Emissionen deutlich reduziert.
Ein grüner Gesundheitscampus entsteht
Nach einem erfolgreichen Wettbewerbsverfahren plant das Generalplanerteam um a|sh architekten derzeit den Gesundheitsbau Dreiland-Klinikum Lörrach. Auf gut 90.000 m² Bruttogrundfläche entsteht ein moderner Gesundheitscampus, der vier bisher verteilte Krankenhausstandorte an einem zentralen Ort vereint. Bis Mitte 2027 werden 677 Betten, 13 Operationssäle, sechs Kreißsäle und tagesklinische Plätze realisiert. Ergänzt wird das Klinikum durch ein Zentrum für seelische Gesundheit, ein Ärztehaus, ein Gebäude für tertiäre Nutzungen, eine DRK-Rettungswache und ein Parkhaus. Bereits von Weitem erinnert die Anordnung der Gebäude des »grünen Gesundheitscampus« an ein Kleeblatt.
Innovative Energieplanung
MorgenGrün verantwortete die energetische und technische Konzeption. Kernaufgaben waren Energiekonzept, Thermische Simulation, Simulation des thermischen Komforts und ein Redundanzkonzept. Ziel war ein effizientes, nachhaltiges Energiekonzept, das den CO2-Ausstoß deutlich senkt und fossile Brennstoffe weitgehend überflüssig macht.
Gasfrei und zukunftssicher: Wärmepumpen im Einsatz
Die Versorgung basiert auf einer Wärme- und Kälteversorgung durch Grundwasser. Mittels Wärmetauscher und flächendeckender Betonkernaktivierung werden die Heiz- und Kühlenergien optimal genutzt. Im Sommer liefert das Erdreich ›freie Kühlung‹, sodass die Wärmepumpen meist nicht zusätzlich aktiv werden müssen – eine fast emissionsfreie Methode zur Gebäudekühlung. Ergänzt wird das System durch eine Photovoltaikanlage mit rund 550 kWp, die den Gesamtenergiebedarf weiter senkt.
Nachhaltigkeit und Betriebssicherheit im Fokus
Durch diese integrierte, ressourcenschonende Planung lassen sich bis zu ein Drittel der CO2-Emissionen im Vergleich zu Standardgebäuden einsparen, bezogen auf den Strommix sind es sogar bis zu 60 %. Die frühzeitige Thermische Simulation und die Analyse des Nutzerkomforts haben zudem sichergestellt, dass die Innenraumtemperaturen effizient und komfortabel gehalten werden, ohne unnötigen Energieeinsatz.
Energiekrise als Chance: gasunabhängiges Heizen und Kühlen
Ein zentrales Merkmal des Projekts war die Anpassungsfähigkeit des Energiekonzepts: Als Folge der Gasversorgungskrise wurde die ursprünglich geplante fossile Wärmeerzeugung mit Blockheizkraftwerk und Spitzenlastkessel im Konzept durch ein vollständig gasunabhängiges Wärmepumpensystem ersetzt. Sechs große Wärmepumpen nutzen das Grundwasser, um sowohl Wärme als auch Kühlung bereitzustellen. Dadurch kann das Klinikum unabhängig von fossilen Brennstoffen betrieben werden und ist zukunftssicher gegenüber schwankenden Energiepreisen.
Kooperation für mehr Klimaschutz
Besondere Herausforderungen lagen in der Integration neuer Technologien auf einem komplexen Klinikcampus, der gleichzeitig höchste Anforderungen an Redundanz, Zuverlässigkeit und thermischen Komfort erfüllt. Unser Team hat diese Anforderungen durch präzise Simulationen und ein durchdachtes Redundanzkonzept umgesetzt.
Durch die enge Abstimmung zwischen Generalplanerteam, Bauherrn, den Fachplaner:innen für Gebäudetechnik von ZWP und den Fördergebern konnten die ambitionierten Nachhaltigkeitsziele erfolgreich erreicht werden.
Ein zukunftsfähiges Gesundheitsgebäude
Mit dieser innovationen, energieeffizienten Konzeption leistet das Dreiland-Klinikum Lörrach einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Krankenhausplanung: Ressourcenschonung, Klimaschutz und Betriebssicherheit gehen Hand in Hand.
Unser Team ist stolz, durch sein ingenieurtechnisches Know-how Teil dieses zukunftsweisenden Projekts zu sein und die Basis für ein effizientes, modernes Gesundheitsgebäude geschaffen zu haben.
Bilder: © alsh sander.hofrichter architekten GmbH | MorgenGrün
Steckbrief
Bauherr
Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH
Auftraggeber und Architekt
a|sh sander.hofrichter architekten GmbH
Zeitraum MorgenGrün
2018/2019: Erstellung des Grundkonzeptes mit Brunnenkonzept (Grundwassernutzung)
2022: deutliche Erweiterung des Brunnenkonzeptes
Leistung MorgenGrün
Energiekonzept, Redundanzkonzept, Thermische Simulation, Simulation des thermischen Komforts
Leistung ZWP
Planung und Objektüberwachung, Sanitärtechnik, Heizungstechnik, Raumlufttechnik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Fördertechnik, Nutzungsspezifische Anlagen, Gebäudeautomation
Brutto-Grundfläche (BGF)
Dreiland-Klinikum: 89.600 m² (ohne ZsG und tertiäre Einrichtungen)
Zentrum für seelische Gesundheit (ZsG): 17.600 m²
Versorgungszentrum: 1.400 m²
tertiäre Einrichtungen: unbekannt/in Planung