Innovations- und Gewerbezentrum, Eschweiler
Zirkuläre Architektur als Antwort auf den Strukturwandel: Ein Leuchtturmprojekt für die Region
Inmitten der Metropolregionen Köln, Düsseldorf und Aachen nutzt die Stadt Eschweiler den durch den Braunkohleausstieg bedingten Strukturwandel als Chance für eine nachhaltige Neuausrichtung.
Auf dem rund 12.000 m² großen Grundstück eines ehemaligen Schlachthofes entsteht in den nächsten Jahren ein wegweisendes Innovations- und Gewerbezentrum. Das Areal versteht sich als moderner Hub für den Technologietransfer und bietet die nötige Infrastruktur für kollaborative Arbeitsformen und neue Geschäftsfelder. Insbesondere Start-ups und Unternehmen aus den Bereichen Recycling und Kreislaufwirtschaft sollen hier den idealen Raum finden, um zukunftsweisende Innovationen voranzutreiben.
Architektonisches Zentrum und historischer Ankerpunkt der Planung ist ein rund ein Jahrhundert altes Bestandsgebäude, das die neu entstehenden Werkhöfe harmonisch miteinander verknüpft. Mit dem klaren Ziel einer DGNB-Zertifizierung in Gold setzt das Projekt einen hohen Standard für nachhaltiges Bauen in der Region.
Strategische Planung durch DGNB Pre-Check
MorgenGrün begleitete dieses ambitionierte Vorhaben bereits in der frühen Phase, um die Weichen für die angestrebte Zertifizierung zu stellen. Auf Basis einer detaillierten Analyse des Planungsstands, der Standortqualität sowie der bisherigen Planungsprozesse konnten wir frühzeitig den voraussichtlichen Erfüllungsgrad der DGNB-Kriterien bestimmen.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war der gemeinsame Workshop vor Ort, in dem wir die Planungsziele und Optimierungsmaßnahmen intensiv mit den Projektbeteiligten diskutiert und identifiziert haben. Die besondere Komplexität bestand in der Zuordnung der DGNB-Nutzungsprofile sowie der parallelen Anwendung unterschiedlicher Systemversionen für die Neubauten und den Sanierungsbau. Trotz dieser Herausforderungen konnten wir mit unserem Ergebnis des Pre-Checks innerhalb kürzester Zeit einen klaren Planungsleitfaden liefern, der eine wichtige Grundlage und Sicherheit für den weiteren Planungsverlauf schafft und den Weg zur Gold-Zertifizierung ebnet.
Leitidee: Das Prinzip des zirkulären Bauens
Die Planung folgt konsequent der Leitidee des zirkulären Bauens:
- Re-Use-Materialien: In Tragwerk und Fassade werden wiederverwendete Materialien wie Ziegel, Betonträger und Bleche eingesetzt, die beim Rückbau von Gebäuden in der Region anfallen.
- Ressourcenschonung: Der Einsatz von Beton wird weitestgehend reduziert. Statt großflächiger Fundamente kommt ein punktuelles Gründungskonzept zum Einsatz, bei dem gezielt Recyclingbeton verwendet wird. Die tragende Konstruktion der Neubauten wird im Wesentlichen aus Holz geplant.
- Recyclingfähigkeit: Tragende und nichttragende Bauteile werden bevorzugt aus nachwachsenden oder sortenrein trennbaren und rezyklierbaren Rohstoffen hergestellt.
Durch den zeitgleichen Rückbau diverser Gebäude in der näheren Umgebung ergeben sich wertvolle Synergien für die Wiederverwendung von Bauteilen.
Klimaneutrale Energieversorgung durch Abwärmenutzung
Das energetische Konzept setzt auf eine innovative Kopplung lokaler Ressourcen. Die Versorgung mit Wärme und Kälte erfolgt über eine zentrale Energiezentrale im Mobility-Hub:
- Abwasserwärme: Mittels Wasser-Wasser-Wärmepumpen wird die Abwärme eines nahegelegenen Abwasserkanals genutzt, um klimaneutrale Wärme bereitzustellen.
- Niedertemperatur-Netz: Die Wärmeversorgung erfolgt hocheffizient mit einer Vorlauftemperatur von 45 °C.
- Passive Kühlung: Im Sommer ermöglicht das System eine teilweise passive Kühlung der Gebäude.
- Eigenstromerzeugung: Großflächige PV-Anlagen auf den Dächern unterstützen die regenerative Stromversorgung des Areals.
Neben den funktionalen Bereichen wie Büros, Werkhallen und Laborbereichen entsteht durch eine neue Cafeteria und die angrenzende Indeterrasse ein hochwertiger Frei- und Grünraum für Nutzer und Passanten. Damit wird das Innovationszentrum in Eschweiler zu einem wegweisenden Best-Practice-Beispiel dafür, wie zirkuläres Bauen und strategische Nachhaltigkeitsplanung den Strukturwandel im Rheinischen Revier erfolgreich gestalten können.
Bilder: © asp Architekten GmbH, Berlin
Steckbrief
Bauherr und Auftraggeber
Stadt Eschweiler
Architekt
asp Architekten GmbH, Berlin
Zeitraum MorgenGrün
2026
Leistung MorgenGrün
DGNB Pre-Check
Leistung ZWP
Planung und Objektüberwachung für Sanitärtechnik, Heizungs- und Kältetechnik, Lüftungstechnik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Fördertechnik, Nutzerspezifische Anlagen, Gebäudeautomation
Brutto-Grundfläche (BGF)
16.000 m²