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Quartier Bestand

Kienbaum – Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland, Grünheide

Raus aus dem Erdgas: der Dekarbonisierungspfad in klar definierten Ausbaustufen

Wie kommt ein Standort mit mehr als 20 Bestandsgebäuden aus der fossilen Wärmeversorgung – ohne Unterbrechung des Trainingsbetriebs und ohne Investitionssprung? Für das Trainingszentrum Kienbaum haben wir unsere Dekarbonisierungsstudie aus dem Jahr 2022 unter den heute geltenden Randbedingungen neu bewertet. Das Ergebnis: ein etappierter Transformationspfad auf Basis der Grundwasser-Wärmepumpe, der bereits im ersten Bauabschnitt CO2 einspart und den weiteren Ausbau planbar macht.

Das Olympische und Paralympische Trainingszentrum für Deutschland in der brandenburgischen Gemeinde Grünheide, etwa 35 km östlich von Berlin, ist einzigartig in Deutschland. Mehr als 20 Sport-, Seminar-, Unterkunfts-, Verpflegungs- und Verwaltungsgebäude verteilen sich auf einem parkähnlichen Areal um den Liebenberger See und werden über zwei zentrale Heizungszentralen mit Wärme versorgt. Bereits 2022 hat MorgenGrün für den Standort eine Sanierungsstudie zur Klimaneutralität erstellt und eine monovalente Grundwasser-Wasser/Wasser-Wärmepumpe in Kombination mit einer großflächigen Photovoltaikanlage empfohlen.

Ausgangslage: veränderte Randbedingungen seit der Ursprungsstudie

Kienbaum strebt den schrittweisen Ausstieg aus der Erdgasnutzung an, um über eine dekarbonisierte Energieversorgung langfristige Versorgungssicherheit und Klimaneutralität zu erreichen. Umgesetzt wurde bislang jedoch nur ein Teil des empfohlenen Konzepts: Bauliche Einschränkungen, erhebliche infrastrukturelle Anforderungen und das damit verbundene Investitionsvolumen führten dazu, dass am Standort zunächst lediglich eine „kleine“ Photovoltaikanlage mit rund 300 kWp realisiert wurde.

Gleichzeitig haben sich die energetischen Randbedingungen gegenüber 2022 verschoben – insbesondere durch einen reduzierten Jahresstrombedarf und die deutlich geringere PV-Dimensionierung. Ziel war daher eine aktualisierte Bewertung des ursprünglich entwickelten Konzepts anhand der veränderten Rahmenbedingungen – und darauf aufbauend die Entwicklung eines maßgeschneiderten, stufenweise realisierbaren Fahrplans, der die Dekarbonisierung in sinnvolle und investitionstechnisch passende Pakete aufteilt und dabei in jedem Ausbauschritt die Wirtschaftlichkeit absichert.

Methodik: Neubewertung unter aktuellen Standortbedingungen

Für die aktualisierte Untersuchung haben wir die am besten geeigneten Versorgungskonzepte aus der Ursprungsstudie ausgewählt und unter den heutigen Standortbedingungen neu simuliert. Um die zukünftige Entwicklung differenziert abzubilden, wurden die Maßnahmen in sinnvolle Ausbauschritte unterteilt und das verbleibende PV-Ausbaupotenzial mit einbezogen.
Die energetische Bewertung der Varianten erfolgte dabei zweigleisig: einmal mit der bestehenden Anlage (PV-Bestand) und einmal mit der nächsten realisierbaren Ausbaustufe (PV-Potenzial). So lässt sich belastbar evaluieren, welchen Mehrwert ein weiterer PV-Ausbau für die Effizienz des Gesamtsystems tatsächlich generiert – und in welcher Reihenfolge Wärmeerzeugung, Stromerzeugung und Speicher zusammenwachsen sollten.

Ergebnis: Grundwasser-Wärmepumpe bleibt die Vorzugsvariante

Die Neubewertung bestätigt die grundsätzliche Richtung der Ursprungsstudie: Wegen ihrer Effizienzvorteile und der deutlich geringeren Schallemissionen bleibt die Grundwasser-Wärmepumpe das Herzstück des Versorgungskonzepts. Neu ist der Umsetzungsansatz – die Gesamtumstellung wird in klar abgegrenzte Bauabschnitte und Ausbaustufen unterteilt. Den Anfang macht der größere Teilbereich Kienbaum Ost, der schrittweise umgestellt wird.

Der Transformationspfad für Kienbaum Ost

Ausbaustufe 1
Einstieg in die regenerative Wärmeerzeugung: Bivalenter Betrieb einer Grundwasser-Wärmepumpe mit 500 kW Leistung parallel zum bestehenden Gaskessel, Rückbau der BHKWs und Zubau von 220 kWp Photovoltaik. Der Standort steigt damit ohne Eingriff in die Versorgungssicherheit in die elektrifizierte Wärmeerzeugung ein – und senkt allein mit diesem Schritt die CO₂-Emissionen des Gesamtstandorts, also Kienbaum Ost und West zusammen, um knapp 50 %. 

Ausbaustufe 2
Vollständige Substitution der fossilen Erzeugung: Rückbau der übrigen Gaskessel, Aufrüstung der Wärmepumpenleistung um weitere 750 kW auf insgesamt 1.250 kW, Umbau des Wärmenetzes auf Niedertemperaturfähigkeit sowie Ergänzung eines Batteriespeichers mit 70 kWh. Die Absenkung der Netztemperaturen steigert die Effizienz der Wärmepumpen deutlich an. 

Ausbaustufe 3
Ausschöpfung des Eigenstrompotenzials: Ausbau der Photovoltaik um die verbleibenden 240 kWp auf insgesamt 760 kWp, ergänzt um eine darauf abgestimmte Erweiterung des Batteriespeichers auf 210 kWh. Wärmeerzeugung und Eigenstromnutzung werden damit maximal verzahnt. Nach vollständiger Umstellung von Kienbaum Ost sind rund 70 % der Gesamtemissionen des Standorts vermieden – etwa 1.000 t CO2 pro Jahr.

Mehrwert für den Auftraggeber

Die Untersuchung liefert eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die unmittelbar bevorstehende nächste Ausbaustufe des Standorts. Statt einer einzigen, investitionsintensiven Gesamtmaßnahme entsteht ein Pfad aus aufeinander aufbauenden Schritten, die einzeln finanzierbar und im laufenden Betrieb umsetzbar sind – jeder Schritt senkt den Erdgasbezug, ohne die Versorgungssicherheit des Trainingsbetriebs zu gefährden.

Zukunftsperspektive: Blaupause für Kienbaum West

Die Umstellung von Kienbaum Ost dient zugleich als Vorlage für den zweiten Standortbereich Kienbaum West. Konzeptlogik, Ausbaustufen und die betrieblichen Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt lassen sich dort übertragen – und machen aus einem Einzelprojekt einen wiederholbaren Dekarbonisierungsfahrplan für den Gesamtstandort.

 

Bilder: © Kienbaum – Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland e.V.
 

Steckbrief

Bauherr und Auftraggeber
Kienbaum – Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland e.V., Grünheide

Zeitraum MorgenGrün
2022 bis 2023 (Dekarbonisierung der Energieversorgung)
2026 (aktualisierte Variantenuntersuchung)

Leistung MorgenGrün
Wärmeschutz und Energiebilanzierung, klimaneutrales Energiekonzept, aktualisierte Bewertung der Versorgungsvarianten mit Ausbaustufen- und Bauabschnittskonzept

Leistung ZWP
Planung und Objektüberwachung der Umstellung der Wärme- und Stromversorgung auf regenerative Energien

Grundstücksfläche
ca. 50 ha

Eingesparte CO2-Emission
ca. 1.000 t/m²a - nach vollständiger Umstellung von Kienbaum Ost (ca. 70% der Gesamtemissionen des Standorts)