Sanierung Thomas-Dehler-Haus, Bonn
Innovative Technik trifft nachhaltige Vision – die Transformation des Thomas-Dehler-Hauses
Das Thomas-Dehler-Haus in Bonn war bereits 1992 ein Vorreiter innovativer Gebäudetechnik. Mit einem durchdachten Raumkonditionierungskonzept bot es höchste Effizienz und Komfort. Nun wird das Gebäude durch ein ganzheitliches Energiekonzept fit für die Zukunft gemacht. Die Modernisierung senkt den Energiebedarf erheblich, optimiert die Wärme- und Kälteversorgung und ebnet den Weg zu einem klimaneutralen Betrieb bis 2045. Durch intelligente Systemintegration und nachhaltige Technologien schafft MorgenGrün eine zukunftsweisende Lösung für den Gebäudebestand.
Das heute von der International Renewable Energy Agency genutzte Gebäude an der Willy-Brandt-Allee in Bonn wurde 1992 als Thomas-Dehler-Haus für die Bundesgeschäftsstelle der FDP errichtet. Die Planung der technischen Gebäudeausrüstung erfolgte durch die damalige Zibell Willner & Partner Ingenieurgesellschaft, heute ZWP Ingenieur-AG.
Von Beginn an stand der Leitgedanke der „unsichtbaren Haustechnik“ im Fokus: maximale Effizienz und Komfort durch innovative Flächenkühlsysteme und eine Quelllüftung in den Büro- und Besprechungsräumen. Das clevere Lüftungskonzept mit Überströmung in die Atrien ermöglichte den Verzicht auf ein weitreichendes Abluftnetz.
Selbst die Rückkühlung der Kältemaschinen wurde unsichtbar unterhalb des Gebäudes integriert – ein Konzept, das seiner Zeit voraus war.
Kontinuierliche Modernisierung – Nachhaltigkeit als Leitbild
Die Expertise von ZWP war bereits mehrfach gefragt: 2012 im Rahmen eines Mieterwechsels zur Anpassung der Beleuchtungsanlagen und sechs Jahre später bei der Sanierung der Kälteanlagen sowie der Außenluftansaugung. 2023 erfolgte der nächste bedeutende Schritt: die Entwicklung eines umfassenden Energiekonzepts mit dem Ziel einer klimaneutralen Betriebsweise. Hierbei lag der Fokus sowohl auf der Reduzierung des Energiebedarfs als auch auf einer besonders klimafreundlichen Deckung des verbleibenden Verbrauchs.
In einer vertiefenden Studie im Jahr 2024 konnte ein Weg aufgezeigt werden, wie der anspruchsvolle Standard „Effizienzgebäude Bund 55“ erreicht werden kann. Dieser energetische Standard stellt noch höhere Anforderungen als der reguläre Effizienzgebäude-Standard.
Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung
Optimierte Lüftungsanlagen: Der Wärmebedarf der Lüftung wird durch den Einsatz von Kreislaufverbundsystemen um ca. 65 % gesenkt.
Energetische Ertüchtigung der Gebäudehülle:
Besonders effizient und wirtschaftlich sind Dämmmaßnahmen zwischen beheizten Bereichen und der Tiefgarage. Vor allem die Dämmung von Wänden und Decken erzielt hier ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Energieeffiziente Rückkühlung: Eine Umstellung der Rückkühlung des Kälteprozesses führt zu signifikanten Stromeinsparungen.
Photovoltaik-Potenzialanalyse: Alle verfügbaren Flächen auf Dach und Fassade wurden hinsichtlich ihres wirtschaftlichen und ökologischen Nutzens bewertet.
Kritischer Punkt: die Transformation der Wärmeerzeugung
Die Umstellung des bestehenden Gas-Brennwertsystems auf eine nachhaltige Energieversorgung stellte eine große Herausforderung dar. Aufgrund der im Gebäude vorhandenen Heizkörper, die für hohe Vorlauftemperaturen von etwa 70 °C ausgelegt sind, können klassische Wärmepumpenprozesse den Wärmebedarf nicht effizient decken. Um dieser Problematik zu begegnen, wurden die bislang ausschließlich zur Kühlung genutzten Kapillarrohrdecken auch für die Beheizung integriert.
Durch die erheblich vergrößerten Wärmeübergabeflächen und den gezielten Austausch von rund 14 % der vorhandenen Heizkörper kann das Gebäude mit Vorlauftemperaturen von maximal 50 °C über eine Wärmepumpe beheizt werden. Ein elektrischer Spitzenlastkessel deckt Lastspitzen bei sehr niedrigen Außentemperaturen sowie im Aufheizbetrieb nach Wochenendabsenkungen ab. Er ermöglicht zudem eine vollständig verbrennungsfreie Wärmeerzeugung und führt – bei intelligenter Steuerung – im Bürogebäude zu keiner Erhöhung der elektrischen Spitzenlast.
Von der Konzeptidee zur förderfähigen Umsetzung
Begleitend zur anschließenden HOAI-Fachplanung der ZWP Niederlassung Bochum übernimmt MorgenGrün die energetische Fachplanung und Baubegleitung gemäß den Anforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Hierzu zählen die energetische Bilanzierung des Bestands, die Prüfung der geplanten Maßnah-
men auf Förderkonformität sowie die Erstellung sämtlicher Nachweise für Antragstellung und Auszahlung.
Ergänzend werden die raumweise Heizlastberechnung, der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage und die Optimierung der Wärmeübertragung umgesetzt. Eine schallimmissionsschutztechnische Bewertung der geplanten technischen Anlagen durch die Bauphysiker von MorgenGrün stellt zudem sicher, dass die zukunftsweisende Wärme- und Kälteversorgung auch im dicht bebauten innerstädtischen Umfeld verträglich realisiert werden kann.
Klimaneutrale Wärme- und Kältetechnik für die Zukunft
Trotz der schwierigen Standortbedingungen – dichte Bebauung und vollständige Unterkellerung – konnte eine effiziente Lösung zur regenerativen Wärme- und Kälteversorgung gefunden werden. Weder Geothermie noch Abwärmenutzung aus dem nahegelegenen Mischwasserkanal erwiesen sich als praktikabel. Stattdessen wurde eine reversible Luft-/Wasser-Wärmepumpe als optimale Lösung identifiziert. Ergänzt durch einen elektrischen Spitzenlastkessel kann das Gebäude vollständig ohne fossile Brennstoffe beheizt werden.
Ein Leuchtturmprojekt für nachhaltige Gebäudetechnik
Nach über 30 Jahren wird das Thomas-Dehler-Haus fit für die Zukunft gemacht. Durch die kontinuierliche Optimierung der Gebäudetechnik und die schrittweise Dekarbonisierung des Netzstrommixes kann das Gebäude bis 2045 vollständig klimaneutral betrieben werden. Das Energiekonzept von MorgenGrün (vormals ZWP Innovationsabteilung) zeigt eindrucksvoll, wie visionäre Ingenieurkunst und nachhaltige Planung zukunftsfähige Lösungen für den Gebäudebestand schaffen.
Steckbrief
Bauherr und Auftraggeber
Reinhardtstraßenhöfe GmbH & Co. KG, Bonn
Zeitraum MorgenGrün
2023 bis heute
Leistung MorgenGrün
Studie zur nachhaltigen Wärme-, Kälte- und Stromversorgung, energetische Fachplanung und Baubegleitung
Leistung ZWP
Planung und Objektüberwachung für Heizungstechnik, Raumlufttechnik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Fördertechnik, Beleuchtungsplanung, Planung zur Modernisierung der Kälteanlagen und der Außenluftansaugung
Brutto-Grundfläche (BGF)
3.750 m² (zzgl. 3.800 m² Tiefgarage)
Eingesparte CO2-Emission
CO2-Einsparung bei Sanierung der Gebäudehülle und Umsetzung des Energiekonzepts, um den EG55-Standard zu erreichen: 36 kg/m²a